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Berichte der Landtagssitzungen

 

Bericht Landtagssitzung 26./27.06.08

Aktuelle Debatte Unternehmenskultur. Aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Marktwirtschaft in Deutschland begann der erste Sitzungstag mit einer aktuellen Debatte zum Thema "Unternehmenskultur und gesellschaftliche Verantwortung - wohin entwickelt sich die soziale Marktwirtschaft". In deren Verlauf forderten mehrere Redner die Unternehmen auf, ihre Verantwortung für die Gesellschaft und den sozialen Frieden stärker wahrzunehmen. Neben anderen Faktoren sei das Agieren mancher Unternehmen mit dafür verantwortlich, dass das Ansehen der sozialen Marktwirtschaft schwinde.
Katrin Budde, Fraktionsvorsitzende und Wirtschaftsexpertin der SPD-Fraktion: "Die meisten halten sich an die Spielregeln, aber es sind schon zu viele, um von Einzelfällen zu sprechen." Wenn darüber diskutiert werde, wie das Gesellschaftsmodell zukünftig aussehen soll, sei es wichtig, dass es wieder mit dem Prädikat "sozial" ausgerüstet sei, sagte die Politikerin und erneuerte auch die Forderung der SPD nach Mindestlöhnen.

Aktuelle Debatte Stadtumbau.
Der Landtag hat in einer Aktuellen Debatte eine positive Zwischenbilanz des Programms Stadtumbau Ost gezogen und sich einmütig für die Fortsetzung über das Jahr 2009 hinaus ausgesprochen. Die Redner aller Fraktionen wiesen darauf hin, dass es ab 2010, bedingt durch die geburtenschwachen Jahrgänge, eine zweite Leerstandswelle geben werde.
"Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Städte im Land", sagte der SPD-Abgeordnete Thomas Felke. Der Stadtumbau Ost habe sich als Instrument bewährt, der demographischen Entwicklung und dem wirtschaftlichen Strukturwandel im Land zu begegnen. Die SPD-Fraktion plädiere dafür, dass die Kombination von Abriss und Aufwertung als eigenständiges Programm bis 2016 fortgesetzt wird. Um den Leerstand abzubauen, der noch immer ein flächendeckendes Problem in Ostdeutschland darstellt, müsse der Rückbau langfristig unterstützt und gleichzeitig eine Konzentration auf die Innenstädte vorgenommen werden. 

Kinderarbeit.
Einstimmig wurde ein gemeinsamer Antrag aller im Landtag vertretenen Fraktionen gegen ausbeuterische Kinderarbeit beschlossen. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, nur noch Produkte zu erwerben, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit produziert wurden. Der Beschluss richtet vor allem an landeseigene Einrichtungen und Ministerien. Die SPD-Abgeordnete Nadine Hampel sagte stellvertretend für alle Fraktionen: "Wir dürfen nicht unterstützen, dass Kinder ihrer Kindheit beraubt werden!"

Geschäftsordnung.
Durch eine Änderung der Geschäftsordnung des Landtags sollen künftig lebendigere Debatten im Plenum und mehr Transparenz nach außen hin ermöglicht werden. Beispielsweise sollen die Abgeordneten ihre Debattenbeiträge in Zukunft verstärkt frei halten. Geplant sind außerdem kurzfristige Befragungen der Landesregierung zu aktuellen Themen, eine Art "heißer Stuhl" für Minister und die Übertragung der Debatten im Internet. Vertretern von Volksinitiativen wird ein Rederecht im Landtag eingeräumt.
Der interfraktionelle Antrag wurde mit großer Mehrheit beschlossen.

 

Bericht Landtagssitzung 29./30.05.08

Aktuelle Debatte "Armutsberichte".
Vor dem Hintergrund der Armuts- und Reichtumsberichte von Land und Bund hat der Landtag auf Antrag der Fraktion DIE LINKE über das Thema Armut debattiert. Nach dem vor wenigen Wochen veröffentlichten Armutsbericht der Landesregierung ist etwa jeder fünfte Sachsen-Anhalter arm oder von Armut bedroht; das gilt besonders für Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und ihre Kinder sowie gering Qualifizierte. Für die SPD-Fraktion sprach die Sozialpolitikerin Petra Grimm-Benne und verwies auf die Probleme von Kindern in sozial schwachen Familien. Ansätze zur Armutsbekämpfung seien der Ausbau des Bildungsbereiches, eine bessere Unterstützung von Alleinerziehenden und Familien mit Kindern sowie Mindestlöhne.

Untersuchungsausschuss Müll. Auf Antrag der Oppositionsfraktionen wurde die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Müllentsorgung in Sachsen-Anhalt beraten. Der Ausschuss soll untersuchen und klären, ob und in welchem Umfang die Arbeit der für Wirtschaft und Arbeit sowie Landwirtschaft und Umwelt zuständigen Ministerien und der ihrer Aufsicht unterstehenden Behörden vor allem im Zeitraum Januar 2004 bis April 2008 die Verbringung und Lagerung von Abfall in mehreren Tongruben und Deponien entgegen den geltenden Rechtsvorschriften ermöglicht wurde. Die Einsetzung des Untersuchungsausschusses wurde bei Stimmenthaltung der Koalitionsfraktionen, die personelle Besetzung einstimmig beschlossen. Für die SPD-Fraktion wurden die Abgeordneten Ralf Bergmann, Matthias Graner und Gerhard Miesterfeldt als Ausschussmitglieder bestätigt.
Der Ausschuss konstituiert sich am 13. Juni 2008.

Informationszugangsgesetz. Dieses Gesetz schreibt den Anspruch der Bürger auf Zugang zu den den Behörden vorliegenden amtlichen Informationen fest. Das betrifft alle Aufzeichnungen, die amtlichen Zwecken dienen, und ermöglicht den Bürgern mehr Mitsprache beim Handeln der Verwaltung, mehr Transparenz und mehr bürgerschaftliche Kontrolle der Arbeit öffentlicher Behörden. Das Informationszugangsgesetz wurde mehrheitlich beschlossen.

Biologische Vielfalt.
Auf Initiative der Koalitionsfraktionen hat der Landtag einen Beschluss herbeigeführt, der die Landesregierung mit der Erarbeitung einer Strategie zur biologischen Vielfalt bis zum Jahresende beauftragt. Damit soll die nationale Strategie für Sachsen-Anhalt spezifiziert und umgesetzt werden. Die nationale Strategie beinhaltet fünf Themenschwerpunkte: Schutz und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt, Umwelteinflüsse auf die biologische Vielfalt, genetische Ressourcen und das gesellschaftliche Bewusstsein. Der Antrag wurde einstimmig beschlossen.

Bericht von der Landtagssitzung am 17./18. April 2008

Aktuelle Debatte/Antrag Müllentsorgung. Aus aktuellem Anlass debattierten die Abgeordneten am ersten Sitzungstag über den Umgang mit Abfällen in Sachsen-Anhalt. Die Oppositionsfraktionen warfen Umweltministerin Wernicke und Wirtschaftsminister Haseloff Versagen vor und kritisierten das Hin- und Herschieben der Verantwortung. Auch Matthias Graner, Abgeordneter der SPD-Fraktion, äußerte sich kritisch und beklagte einen "Zuständigkeitswirrwarr" der Behörden. Er mahnte stärkere Kontrollen von Müllfirmen und höhere Strafen für Abfallsünder an. "Die Bürgerinnen und Bürger müssen besser informiert werden", forderte Graner. "Auf jeder Shampooflasche steht, wie viele Tenside und Parfüme sie enthält. Aber da haben wir eine riesige Grube, und offensichtlich weiß niemand, was darin ist."
Bis Mitte Mai wollen Wirtschafts- und Umweltministerium eine Gesamtkonzeption zur Verhinderung illegaler Müllablagerungen vorlegen. Darüber hinaus soll zur Verbesserung der Abstimmung zwischen Berg- und Umweltbehörden eine interministerielle Arbeitsgruppe gebildet werden.

Landessportbund.
Im Prüfbericht des Landesrechnungshofes zum Landessportbund (LSB) wurden erhebliche Mängel in der Arbeit des Landessportbundes öffentlich gemacht, vor allem den Umgang mit Landesfördermitteln betreffend. Daneben waren aber auch Versäumnisse bei der Kontrolle des Finanzgebarens des LSB festgestellt worden, die die für Sport zuständige Sozialministerin Gerlinde Kuppe in der Landtagsdebatte einräumte. "Es ist offenkundig, dass unsere Kontrolle nicht ausreichend war - auch deshalb, weil wir der Selbstorganisation des Sports vertraut haben. Jenen, die die Autonomie des Sports über alles stellen, hätten wir eher sagen müssen: Stopp mal, ihr arbeitet mit Landes- und damit Steuergeld", so die Ministerin. Nötig sei ein struktureller und personeller Neuanfang im Landessportbund. Kuppe versprach eine schonungslose Aufklärung der Vorgänge, die auch der Landtag gefordert hatte.

Bericht von der Landtagssitzung am 24./25. Januar 2008

Gemeindereform.
Der in Sachsen-Anhalt geplanten Gemeindereform steht nichts mehr im Wege. Bereits zum dritten Mal befasste sich der Landtag am Donnerstag, dem 24. Januar 2008, mit dem so genannten Begleitgesetz zur Gemeindegebietsreform, in dem vor allem die Strukturen der künftigen Einheits- und Verbandsgemeinden beschrieben sind. Einer Beschlussempfehlung des Ausschusses für Inneres zum Gesetzentwurf der Landesregierung sowie zwei Änderungsanträgen der Fraktion DIE LINKE und der Koalitionsfraktionen stimmte das Parlament mehrheitlich zu.
Bis zum Januar 2010 soll die Schaffung neuer gemeindlicher Strukturen abgeschlossen sein, die langfristig wirtschaftlich lebensfähig und besser verwaltbar sind und die demografische Lage des Landes berücksichtigen.
Innenminister Holger Hövelmann sagte in der Debatte, die Reform sei wichtig für die Zukunftsfähigkeit des Landes: "Starke Städte und Gemeinden bilden das Fundament für ein starkes Sachsen-Anhalt." Auch wenn Gemeindegrenzen sich änderten, müsse niemand einen Verlust der Identität der Mitgliedsorte befürchten.

Jugendkriminalität.
Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE diskutierte der Landtag in einer Aktuellen Debatte zum Umgang der Gesellschaft mit Jugendkriminalität und Jugendstrafrecht. Während DIE LINKE den Wahlkampfstil von Hessens CDU-Ministerpräsident Koch in den Mittelpunkt der Debatte stellte, gingen die Redner der anderen drei Fraktionen sachlicher und problemorientierter mit dem Thema Jugendgewalt um.
"Besonnenheit tut Not im Umgang mit Jugendkriminalität, Sachlichkeit, ein analytischer Blick und eine Politik, die an den Ursachen ansetzt", sagte die SPD-Abgeordnete Corinna Reinecke in ihrem Redebeitrag und sprach sich für eine gute Ausstattung in Schule, Polizei, Justiz und Jugendhilfe aus. Aus Sicht von Justizministerin Angela Kolb reiche das aktuelle Instrumentarium des Strafrechts aus. "Dies schließt aber nicht aus, über neue Ansätze nachzudenken, etwa in der Prävention, in der Jugendarbeit oder bei der Nachsorge nach der Haftentlassung", so die Ministerin. Als vielversprechenden Ansatz bezeichnete Kolb, über neue Formen für Erziehungs- und Lebenshilfe nachzudenken.

Gerichtsstrukturen.
Aufgrund der demografischen Lage, den zurückgegangenen Fallzahlen und der notwendigen Kürzungen im Landeshaushalt ist eine Neuordnung der Gerichtsstrukturen in Sachsen-Anhalt unumgänglich. Die Landesregierung hatte deshalb im vergangenen Jahr einen entsprechenden Gesetzentwurf erarbeitet, zu dem jetzt eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Recht und Verfassung vorlag. Die Abgeordneten stimmten der Beschlussempfehlung mehrheitlich zu.
Ziel der Reform sei es, eine effiziente und kostengünstige Gerichtsstruktur zu schaffen, sagte Justizministerin Angela Kolb. Von der Schließung betroffen sind die landesweit kleinsten Gerichte in Osterburg (Landkreis Stendal) und Hettstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz), die Arbeitsgerichte Halberstadt (Landkreis Harz) und Naumburg (Burgenlandkreis), das Sozialgericht Stendal und Deutschlands kleinstes Verwaltungsgericht in Dessau.


Bericht Landtagssitzung 13./14. Dezember 2007

Doppelhaushalt. Der Landtag hat an seinem ersten Sitzungstag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen den Doppelhaushalt für die Jahre 2008 und 2009 verabschiedet. Damit wurde beschlossen, dass im kommenden Jahr erstmals in der Geschichte Sachsen-Anhalts keine neuen Schulden aufgenommen werden und im Jahr 2009 mit der Rückzahlung der Verbindlichkeiten begonnen wird. Finanzminister Jens Bullerjahn sieht im Doppelhaushalt eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Landes. Der Etat sei eine gute Grundlage für Zeiten, in denen die Steuereinnahmen weniger stark sprudeln als im Moment, sagte er im Plenum.

Kampfhundegesetz.
  Als letztes Bundesland bekommt auch Sachsen-Anhalt ein Kampfhundegesetz. Am Freitag, dem 14. Dezember 2007, haben die Koalitionsfraktionen einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, durch den Gefahren für die öffentliche Sicherheit, die mit dem Halten und Führen von Hunden in Verbindung stehen, vorgebeugt und abgewehrt werden sollen. Unter anderem sieht der Gesetzentwurf vor, dass Hunde registriert werden müssen und die Halter verpflichtet sind, eine Haftpflichtversicherung für den Hund abzuschließen. Der Gesetzentwurf wurde mehrheitlich zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Inneres überwiesen.

Nichtraucherschutzgesetz.
Der im Juli 2007 vorgelegte Entwurf eines Nichtraucherschutzgesetzes beschäftigte das Parlament in der Dezembersitzung in zweiter Lesung. Der vom Ausschuss für Soziales vorgelegten Beschlussempfehlung wurde nach einer kontroversen Debatte mehrheitlich zugestimmt. Damit gilt ab dem 1. Januar 2008 ein generelles Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden. Für Gaststätten gilt, dass solche mit zwei abgeschlossenen Räumen einen als Raucherraum ausweisen können.

Bericht Landtagssitzung 15./16.11.07

Wahl Landesverfassungsrichter. Am Donnerstag, dem 15. November 2007, wählte der Landtag die neuen Mitglieder des Landesverfassungsgerichts Sachsen-Anhalt. Für die sieben Mitglieder und deren Stellvertreter hatte der Ausschuss für Recht und Verfassung einstimmig einen Vorschlag vorgelegt, dem die Abgeordneten mehrheitlich folgten.
Als neuer Präsident des Landesverfassungsgerichts wurde Winfried Schubert, bisheriger Präsident des Oberlandesgerichts in Naumburg, gewählt. Zum Vizepräsidenten bestimmten die Abgeordneten Lothar Franzkowiak, der seit 2006 Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht ist. Weitere Mitglieder sind die Steuerberaterin Traudel Gemmer, die Organisationsberaterin Friederike Bergmann sowie die bisherigen Verfassungsrichter Günther Zettel, Winfried Kluth und Anneliese Bergmann. Die Amtszeit der Verfassungsrichter beträgt sieben Jahre. 

Regierungserklärung.
  Der zweite Sitzungstag begann mit einer Regierungserklärung der Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt, die unter der Überschrift "Global denken, lokal handeln - Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen" stand. "Die Landwirtschaft ist eine der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts", sagte die Ministerin und wies darauf hin, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise den großen Stellenwert der Landwirtschaft wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt hätten. Als eine Aufgabe der europäischen Ebene nannte sie die Schaffung von Wettbewerbsgleichheit. Angesichts der Globalisierung des Wettbewerbs und der Liberalisierung der Märkte brauche die Landwirtschaft Rahmenbedingungen, die Wachstum und Erfolg nachhaltig ermöglichen und nicht behindern.
Für die SPD-Fraktion ergriff Jürgen Barth, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion, das Wort und bescheinigte der Ministerin eine weitgehend umfassende und realistische Darstellung der Situation auf dem Agrarsektor. Abschließend widmete er sich einem wichtigen Anliegen: "Wir müssen in unsere Köpfe investieren. Der Spruch Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln gilt schon lang nicht mehr. Der moderne Landwirt muss Naturwissenschaftler, Techniker, Manager, Betriebswirt und Händler in einem sein, um sich im globalen Wettbewerb der Agrarmärkte zu behaupten. Deshalb brauchen wir eine starke Aus- und Weiterbildung sowie eine umfassende universitäre Ausbildung im Agrarbereich."

Gedenkstättenstiftung.
Die Diskussion um die Mitarbeit der Abgeordneten Gudrun Tiedge in der Gedenkstättenstiftung des Landes war am Freitag erneut Thema im Landtag. Da Frau Tiedge trotz vehementer Vorwürfe von Opferverbänden ihre Mitgliedschaft in dem Gremium nicht niederlegen wollte, haben die Koalitionsfraktionen einen Gesetzentwurf zur Änderung des Gedenkstättengesetzes in den Landtag eingebracht, auf dessen Grundlage alle Mitglieder im Stiftungsrat der Gedenkstättenstiftung zurückgezogen werden. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Norbert Bischoff sagte, die Gesetzesänderung solle den Weg frei machen, damit die Gedenkstättenstiftung ihre Arbeit wieder aufnehmen könne. Er machte deutlich, dass es der SPD nicht um die Beurteilung der Person Tiedge gehe, "sondern darum, dass die Perspektive der Opfer Vorrang haben muss." Der Gesetzentwurf wurde mehrstimmig in den Innenausschuss überwiesen

Bericht von der Landtagssitzung 11./12. Oktober 2007

Regierungserklärung.
Am Donnerstag gab Ministerpräsident Wolfgang Böhmer vor dem Plenum eine Regierungserklärung zum Thema "Sachsen-Anhalt auf dem Weg in eine offene Gesellschaft" ab. Eine Kernaussage war, dass die Landesregierung den Menschen künftig demokratische Prozesse besser erklären will. Gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung sollen in einer Bildungsoffensive die Grundlagen der Demokratie und die Sachzusammenhänge besser vermittelt werden. Je besser es gelinge, für die Akzeptanz demokratischer Strukturen zu werben, umso geringer werde die Akzeptanz für rechtsextremes Gedankengut, sagte Böhmer.
SPD-Fraktionschefin Katrin Budde wies in ihrem Redebeitrag auf die beeindruckende Aufbauleistung der Menschen in Sachsen-Anhalt und den anderen neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung hin. Darauf könne man in Ost und West stolz sein. Jedoch sei die Arbeitslosigkeit nach wie vor ein drängendes Problem, das die zentrale Aufgabe der politischen Arbeit sein müsse. "Nur so können die Menschen dieses Landes ein selbstbestimmtes Leben führen und an der Gesellschaft partizipieren", sagte Katrin Budde.

Mindestlohn.
  Auf Antrag der SPD-Fraktion diskutierte der Landtag am Freitag über die Einführung von Mindestlöhnen in Deutschland. Die Debatte zeigte, dass es innerhalb der Parteien unterschiedliche Auffassungen über einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn gibt. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katrin Budde plädierte in ihrer Rede eindeutig dafür: "Wir brauchen Mindestlöhne und zwar flächendeckend", sagte sie. "Es gibt in diesem Land Menschen, die von ihrer Hände oder ihres Kopfes Arbeit nicht leben können, obwohl sie den ganzen Tag arbeiten. Das ist falsch." In Sachsen-Anhalt gebe es 56.000 Betroffene. Erfahrungen in anderen Staaten zeigten, dass ein gesetzlicher Mindestlohn keine negativen Effekte auf die Zahl der Arbeitsplätze habe.

KfZ-Steuer.
Aufgrund der schlechten Zahlungsmoral mancher Autobesitzer soll die Kraftfahrtzeugsteuer ab 1. Januar 2008 generell per Einzugsermächtigung gezahlt werden. Mit einem entsprechenden Gesetzentwurf befasste sich der Landtag am Freitag in erster Lesung. Künftig sollen Autos nur noch dann neu zugelassen werden, wenn ihre Besitzer keine Rückstände bei der KfZ-Steuer haben und den Finanzämtern erlaubt wird, die Steuern vom Konto einzuziehen.

Sitzungen am 13./14.09.2007

Landeshaushalt.
Mit dem Verzicht auf neue Schulden ab 2008 will die Landesregierung den Haushalt in den kommenden Jahren langfristig auf eine solide Basis stellen. Dies machte Finanzminister Jens Bullerjahn in der ersten Landtagsdebatte über den Doppelhaushalt für die Jahre 2008/2009 deutlich. "Ich kann heute sagen, dass die Konsolidierung einen großen Schritt vorangekommen ist. Wir sind in der Lage - viel schneller als geplant - einen Haushalt ohne neue Schulden zu beschließen", so der Minister. Das Land dürfe aber nicht nur konsolidieren, sondern müsse investieren und für künftige Generationen vorsorgen.
Für die SPD-Fraktion ergriff die Vorsitzende Katrin Budde das Wort. "Dieser Doppelhaushalt ist nicht doppelt so gut wie ein normaler Haushalt, weil er die doppelte Anzahl an Haushaltsjahren umfasst", so Katrin Budde. "Er ist deshalb (mindestens) so gut wie die Vorgängerhaushalte, weil er 2008 zum ersten Mal in der Historie dieses Landes ohne neue Schulden auskommt. Und weil er zweitens für 2009 eine erste Rate für den Abbau der Schulden aus der Vergangenheit vorsieht - ebenfalls ein Novum in der Landesgeschichte... Gesunde Landesfinanzen sind die Basis für jegliche politische Gestaltung."

Untersuchungsausschuss.
Der Landtag hat auf Antrag und mit den Stimmen der Linksfraktion einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Sie machte damit von ihrem Minderheitenrecht als Opposition Gebrauch. Der Ausschuss soll klären, ob Polizeibeamte bei der Verfolgung von rechtsextremen Straftaten Fehler begangen haben. Die Koalitionsfraktionen sowie die FDP-Fraktion enthielten sich der Stimme.
Nach Auffassung der SPD-Fraktionsvorsitzenden Katrin Budde "herrscht absoluter Konsens darüber, dass diese Vorfälle restlos aufzuklären sind". Die SPD-Fraktion ist jedoch der Ansicht, dass das bisherige Verfahren ausreichend ist. Der Innenausschuss des Landtages hat sich bereits in zwei Sitzungen intensiv mit diesem Thema beschäftigt und ausführliche Berichte vom Innenminister erhalten.
Innenminister Holger Hövelmann kündigte an, den Ausschuss konstruktiv zu unterstützen.

Pflegesituation.
In einer Aktuellen Debatte beschäftigte sich der Landtag am zweiten Sitzungstag mit der Qualität in Pflegeeinrichtungen und bei Pflegediensten in Sachsen-Anhalt. Sozialministerin Gerlinde Kuppe sprach sich für klare, bundesweit einheitliche Standards und Prüfkriterien zur Steigerung der Qualität in der Pflege aus. Außerdem plädierte sie für eine Pflicht zur Veröffentlichung von Qualitätskontrollen. Als Konsequenz aus Berichten über Missstände in der Pflege alter und hilfsbedürftiger Menschen sollen die Heime im Land künftig häufiger und ohne vorherige Anmeldung kontrolliert werden, sagte die Ministerin. Zugleich warnte sie jedoch vor einer pauschalen Verurteilung aller Pflegeeinrichtungen im Land.


Sitzungen am 12./13.07.2007


Zweite Beratung Nachtragshaushalt 2007
Als 1. Tagesordnungspunkt wurde am Donnerstag, der Nachtragshaushalt 2007 im Plenum beraten. Hier wurden die Ein- und Ausgabeerwartungen des Haushaltsplanes 2007 angepasst, dieser sieht u.a. auch die Verringerung der Nettokreditaufnahme vor.
Der Nachtragshaushalt wurde zuvor ausgiebig im Finanzausschuss des Landtages beraten und wurde als Beschlussempfehlung in den Landtag eingebracht.
Der Empfehlung des Finanzausschusses wurde mit den Stimmen von SPD und CDU gefolgt, der Nachtragshaushalt 2007 ist somit beschlossen.

Zweite Beratung zur Änderung des Abgeordnetengesetzes Sachsen-Anhalt
In der vom Ältestenrat beschlossenen Beschlussempfehlung zur Änderung des Abgeordnetengesetzes Sachsen-Anhalt geht es nicht nur, wie in den Medien immer dargestellt um die angemessene Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung, sondern auch um die Anpassung der Inanspruchnahme der Altersentschädigung auf 67 Jahre, eine weitgehende Gleichstellung von Lebenspartnern mit Ehegatten im Bezug auf die Beschäftigung eines Mitarbeiters des Abgeordneten, die Hinterbliebenenversorgung, die Mitarbeitervergütung als auch um erforderliche Änderungen im Reisekostenrecht.
In der namentlichen Abstimmung wurde die Beschlussempfehlung mit den Stimmen der SPD und CDU beschlossen.

Weitere Themen der letzten Landtagssitzung waren u.a. das Informationszulassungsgesetz, das Jugendstrafvollzugsgesetz, der Nichtraucherschutz, sowie Anträge zur technischen Bildung an allgemeinbildenden Schulen, sowie die Berufs- und Studienvorbereitung.


Sitzungen am 14./15.06.2007

Aktuelle Debatte - Überfall in Halberstadt
In einer aktuellen Debatte verurteilte der Landtag einhellig den brutalen Überfall rechter Schläger auf Mitglieder der Theatergruppe in Halberstadt. Auch die Landesregierung verurteilte den Überfall, sagte Innenminister Holger Hövelmann, er warnte aber gleichzeitig vor pauschaler Kritik an der Polizei im KAmpf gegen Rechtsextremismus. Der SPD-Innenexperte Bernward Rothe regte in diesem Zusammenhang eine Verschärfung des Versammlungsrechts vor.

Aktuelle Debatte - Gemeindestrukturreform
Auf Antrag der FDP-Fraktion beschäftigte sich das Parlament in einer Aktuellen Debatte mit den Konsequenzen der Gutachten zur Wirtschaftlichkeit von Einheitsgemeinden und Verwaltungsgemeinschaften. Experten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Martin-Luther-Universität Halle sowie Wissenschaftler der Hochschule Harz hatten in den vergangen Monaten die Effizienz der verschiedenen Gemeindemodelle verglichen. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katrin Budde brachte das Ergebnis in ihrem Redebeitrag wie folgt auf den Punkt: "Wenn wir die Gutachten sachlich und nüchtern nebeneinander legen, kommen beide in einem wichtigen Punkt zunächst zu einem übereinstimmenden Ergebnis: Die Einheitsgemeinde ist gegenüber der Verbandsgemeinde und gegenüber der Verwaltungsgemeinschaft die wirtschaftlichste Gemeindereform. Bei Wiegand/Grimberg heißt es die wirtschaftlichste, im IWH-Gutachten die effizienteste Gemeindereform. Aber bei allen Unterschieden, die beide Gutachten haben, ist das zunächst die gemeinsame Grundaussage."

Nachtragshaushalt 2007
In erster Lesung hat der Landtag den von der Landesregierung eingebrachten Entwurf für den Nachtragshaushalt 2007 beraten. Da die Steuereinnahmen in diesem Jahr höher als erwartet ausfallen, wird mit Vorlage dieses Änderungsgesetzes der Haushaltsplan den aktualisierten Einnahme- und Ausgabeerwartungen angepasst. Finanzminister Jens Bullerjahn sagte, der Haushaltsentwurf trage dem Ziel der Landesregierung Rechnung, den Landeshaushalt zu konsolidieren. Für die SPD-Fraktion zog die finanzpolitische Sprecherin Krimhild Fischer Stellung. In der letzten Sitzung vor der parlamentarischen Sommerpause, die Mitte Juli stattfindet, soll der Nachtragshaushalt beschlossen werden.

Änderung Abgeordnetengesetz
Durch eine Änderung des Abgeordnetengesetzes soll nach einem Antrag der Koalitionsfraktionen die monatliche Grundentschädigung für die Mitglieder des Landtages ab 2008 in zwei Schritten angepasst werden. Die Vorschläge basieren im Wesentlichen auf dem Bericht des Landtagspräsidenten und den Empfehlungen der unabhängigen Diätenkommission. Norbert Bischoff, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, verwies in seinem Redebeitrag auf den hohen verfassungsrechtlichen Rang eines Abgeordneten, aus dem sich die Notwendigkeit einer angemessenen Bezahlung ergebe. Weiter betonte Bischoff die Wichtigkeit der transparenten Entscheidung in der Diätenfrage und griff den Vorschlag auf, in dieser Wahlperiode eine Anhörung zur Angemessenheit der Entschädigung durchzuführen.

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